Tina Maggio

Tina Maggio

Tina Maggio

„Warum?“
„War um“
„Warum war es um?“
„War nicht wahr“

Tina Maggio, geboren am 19. Juni 1970

Mein Name ist Tina, Tina Maggio. Ich wurde als zweites von drei Kindern italienischer Gastarbeiter im Vordertaunus geboren. Um genau zu sein in Kelkheim, in dem Ort, in dem meine Eltern in den sechziger Jahren ankamen, um in kurzer Zeit so viel Geld zu verdienen, dass sie drei bis vier Jahre später wieder zurück in ihre Heimat Apulien in Süditalien hätten zurückkehren können. Als reiche Leute, die etwas erreicht, die ihren Kindern eine Zukunft erschaffen hätten. Zu der Zeit hatten sie allerdings erst eine Tochter, die in Italien geboren wurde und die dort mit meiner Mutter erst einmal in „Sicherheit“ blieb. Mein Vater kam zuerst, ein Jahr später meine Mutter, während meine Schwester bei den Großeltern gelassen wurde. Ein Schicksal, das viele Gastarbeiterkinder teilten. Ich wurde in „reichen Zeiten“ geboren. 1970. Allerdings war und bin ich ein Mädchen und erst mit der Geburt des ersehnten Sohnes, meines Bruders, im Juni des Folgejahres schlossen meine Eltern die Familienplanung ab.

Als Kind hatte ich nie Probleme damit, dass ich Italienerin war. Man sah es mir nicht an, man hörte es nicht raus. Ich sprach mit meinen Eltern Deutsch, obwohl meine Eltern Italienisch sprechen, oder besser (der klassische Fall einer italienischen Familie aus dem Süden): Einen Dialekt, der mich bis heute beherrscht und für den ich mich mittlerweile auch nicht mehr schäme. Irgendwann musste ich aber doch in die italienische Schule am Nachmittag, einmal in der Woche, zum muttersprachlichen Unterricht. Und Dr. Alberti, unser Italienisch-Lehrer gab sein Bestes, was nicht ganz einfach war, bedenkt man, dass er uns außer Geschichte und Geografie auch noch Italienisch beibringen musste und das zudem bei den vielen verschiedenen Dialekten seiner Schüler. Ich fand ihn doof, heute bin ich dankbar für das, was er uns beigebracht hat – was er mir beigebracht hat. Ich spreche immer noch nicht perfekt Italienisch, aber genug, um ab und zu mal ein kleines Gedicht in meiner Wurzel-Sprache zu schreiben.

„Es sind immer noch meine Hände.
Die, die damals meinen Befehlen gehorchten,
aber meine Befehle sind längst keine Be-fehle mehr.
Irgendwann haben diese harten Hände den Gehorsam
verweigert, haben sich einer anderen Führung zugewandt;
nun folgen sie den Gesängen meiner Seele,
was ihnen sehr viel besser gefällt. Ich schätze, auch harte Hände lieben die Zartheit.“

Tina Maggio